Fingerübung, Schreibübung

Kraftvolle Sprache – Übungen zu Verben

Poliere Deine Sätze auf

Jeder Schreibende hört ziemlich früh und immer wieder den Satz „Show, don´t tell“.

„Ja ja, verstanden!“, mag man denken und dennoch, dennoch…: wie schwer ist das manchmal in der Umsetzung!

Aber unsere Sprache bietet uns ein wunderbares Werkzeug: das Verb.

Kräftige Verben machen aus beschreibenden Texten lebendige Geschichten, spannende Szenen, emotionale Begegnungen.

Deshalb lohnt jede Mühe, die Umwelt genau zu beobachten, ganz genau hinzuschauen, immer auf der Spur nach dem exaktesten, treffendsten Ausdruck. Befrage alle Deine Sinne, achte auf feinste Abstufungen und suche beim Beobachten nach dem Außergewöhnlichen, das den Leser staunen und mitfühlen lässt, das ihn sich erinnern lässt, an längst verschollene Erfahrungen, Gerüche, Situationen.

Ein Beispiel:

  • Frau Hiller rannte durch die düstere Seitenstraße und stand dann an der vielbefahrenen Kreuzung. Sie schaute sich gehetzt um und drückte dann den Signalknopf der Ampel.

Nächster Versuch: (und nutze ruhig das Synonymwörterbuch- z.B. hier)

  • Frau Hiller hastete durch die düstere Seitenstraße und wurde von der vielbefahrenen Kreuzung gestoppt. Sie spähte gehetzt nach hinten und hämmerte auf den Signalknopf der Ampel.

Mit Verben kannst Du regelrecht malen- also Bilder im Kopf des Lesers entstehen lassen.

Wie anders klingt es, wenn Du statt „rufen“ die folgenden Verben ausprobierst: brüllen, kreischen, johlen, grölen, krakeelen.

Jedes Verb verändert den Grundton eines Satzes. Höre deshalb genau hin, spüre dem Klang nach: sagt das Verb das, was Du meinst? Wie klingt es, wenn jemand grölt? Was verbindet der Leser vermutlich mit dem Wort?

Ein aufmerksamer Leser merkt sofort, wenn ein Verb falsch gewählt ist:
„Er grölte von oben: Mama, wann gibt es Essen?“

„Grölen“ fühlt sich hier nicht richtig an, ist ein zu negativ besetzter, zu heftiger Ausdruck. Besser wäre hier vermutlich: „Er rief von oben“, „Er tönte..“, „Er schmetterte..“, „Er rief..“.
„Grölen“ passt ganz gut, wenn es um eine laute, rohe Ansage geht:
Er grölte „ Du blöde Kuh“, und warf den Stuhl nach Sabine.

Übung 1:
Versuche einen passenden Satz zu folgenden alternativen Verben: er quäkte, dröhnte, japste, plärrte, heulte, keifte, winselte, maulte….

Übung 2:
Versuche Dich an eigenen Beispielen- und nehme auch verschiedene Rollen ein: Kind, Penner, Greis, Mörder im Knast, ein Irrer, Rechtsanwalt, Löwe, Vogel. Welche Wörter würden diese verschiedenen Personen anstelle der folgenden benutzen?

  • Kaufen:
  • Rennen:
  • Schauen:
  • Trinken:

Übung 3:
Und nun versuche, folgende Sätze mit Kraft zu versehen- gestalte daraus jeweils einen lebendigen Satz- Du kannst ihn umformen und mit neuem Ausdruck oder Sinn versehen – ganz wie Du magst. Fülle aber nicht hauptsächlich Adjektive ein, sondern suche grandiose Verben.

Beispiel:

  • Kristof freute sich sehr über den Lottogewinn.
  • Kristof war berauscht von der Aussicht auf das Geld.

Übungssätze:

  • Wir kauften uns ein Eis und setzten uns zum Reden auf den Brunnenrand.
  • An jenem Abend kam er nach Hause, küsste mich auf die Stirn und schloss die Bürotür hinter sich ab.
  • Ich schaute in den Himmel und wusste, dass er mich mochte.
  • Rita trank ihr Glas leer und blickte zu Boden.

Übung 4:
Nun versuche Dich an einer Szene:
Lasse den Leser eintauchen in eine kraftvoll geschilderte Situation: was passiert da, wer macht was, welche Sinne nehmen was wie wahr, welchen Rhythmus hat die Geschichte, welche Verben antworten auf andere.. Schildere die Szene im Rückblick aus der Sicht des Mannes.

  • Fakten:
    Ehepaar, beide ca. 50, sind im Cabrio in Italien unterwegs, es ist heiß, die Landstraße entsetzlich schlecht. Der Mann fährt viel zu schnell, sie streiten lauthals.

Viel Spaß beim Schreiben- und wer weiß: vielleicht bekommst Du eine schöne Schreibidee beim Ausprobieren und Wortjonglieren.

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