Allgemein, Rezension

„Reisen“ – Kurzgeschichten*

Endlich ist auch im Süden Deutschlands Sommerferienzeit und damit geht’s ans Reisen.

Sechs Autoren hat Rafik Schami versammelt – ganz gezielt nicht zu einer Anthologie, sondern für ein Themenbüchlein und eine Liebeserklärung an die Kurzgeschichte.

Das Thema „Reisen“ dieses ersten Bandes hat sich Franz Hohler  ausgesucht  und  alle sechs haben daraufhin ihre „poetischen Stimmen“ erhoben. Herausgekommen ist eine phantastische Reise durch Länder und Leben und durch die Möglichkeiten der Kurzgeschichte.

Das bibliophile Bändchen eignet sich ausgezeichnet dafür, sich inspirieren zu lassen und den Gedanken bei einer kleinen Träumerei im Liegestuhl, beim Blick aufs Meer oder in den Himmel, bei einer Tasse Tee oder einem Sonnenuntergang nachzuhängen.

So unterschiedlich die Autoren, so unterschiedlich die Reisen. Da gibt es von Franz Hohler die ältere Dame, die auf wundersame Weise doch noch zu ihrer Hochzeitsreise nach Rom kommt.  Da erzählt Root Leeb fünf Geschichten über Frauen, die in unterschiedliche Richtungen reisen: nach links, nach rechts,  nach unten,  oben und nach innen.

Monika Helfer schenkt  sechs beeindruckende Kurzgeschichten, Reisen in die Welt  zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Wunsch und Tun und schreibt uns scharf beobachtete Seelenzustände unter die Haut.

Von Michael Köhlmeier lesen wir  die „Lange Nacht heim“ , eine kafkaeske Reise auf der Suche nach Hilfe.  Natasa Dragnic schreibt in „Sand in den Augen“ von der Kraft der Zuwendung und  von der  berührende Suche nach Erlösung in „Das Meer aus Sand“. Last but not least erzählt Rafik Schami „Wie Herr Moritz die Welt bereiste“- ein liebevolles Plädoyer für das Zuhören und  Reisen im Kopf.

Jede Geschichte regt an, unsere Weltsicht aufzuweiten, in andere Köpfe, andere Lebensräume zu reisen, Bilder im eigenen Kopf aus anderer  Perspektive zu betrachten und sich heranzutasten an Lebenszu- und umstände, denen wir so vielleicht noch nicht begegnet sind.

Es sind also im besten Sinne Reiseerfahrungen. Sie lassen uns einen Schritt zurücktreten und mit Aufmerksamkeit und Intensität hinsehen. Und wie bei jeder Reise ist es schön, ihr in Gedanken nachzuhängen und die Orte weiterzuempfehlen. Das möchte ich hiermit tun und freue mich, dass es noch zu entdeckende Themenbände von 2016 („Tiere“) und 2017 („Geburtstag“) gibt und dass  in Bälde (02/2018) Band Nummer vier („Sehnsucht“) auf uns wartet.

*herausgegeben von Rafik Schami, ars vivendi 2015

(Buchfoto: Amazon)

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