Rezension

Bodo Kirchhoff „Widerfahrnis“

Da geht ein Mann auf die Reise, nicht, weil er das möchte, sondern weil eine Frau ihn dazu bringt, eine, die mit ihm im selben anonymen Rentner-Appartementblock im Weissachtal lebt. Leonie Palm und Reither brechen also zu einem Spontantrip auf, der sie bis hinunter nach Sizilien führt. Lässig sind die beiden unterwegs, Kleidung und Essen werden unterwegs gekauft, übernachtet wird im Auto. So fahren sie, erfahren das eine oder andere voneinander und erreichen Catania 124 Seiten und dutzende Zigarettenpackungen später. Für den Leser gepflegte Langeweile, die sich überbrücken lässt, wenn man die Reiseroute aufmerksam verfolgt – falls man nicht angesichts der hemmungslos konsumierten Zigaretten an virtueller Bronchitis erkrankt. Ein etwas seltsames Erinnern an die Freiheit des Marlboro Mannes.

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„Schlaflose Nacht“ von Margriet de Moor

„Schlaflose Nacht“, Margriet de Moor, Carl Hanser Verlag München 2016

Diese Novelle wurde neu bearbeitet. Sie erschien erstmalig 1989 in den Niederlanden und 1994 auf Deutsch unter dem Titel „Auf den ersten Blick“.

Das der Novelle zugrunde liegende Ereignis fand vor über dreizehn Jahre statt. Damals beging Ton, der Ehemann der Ich-Erzählerin, nach nur anderthalbjähriger Ehe ohne ersichtlichen Grund Selbstmord. Seit damals ist die Lehrerin Witwe und hat sich ihr Leben zwischen ihrer Arbeit als Grundschullehrerin, dem nächtlichen Backen und Denken und sporadischen One-Day-and-One-Night-Stands eingerichtet. Mit diesen Männern gibt sie nicht nur den Bedürfnissen ihres Körpers nach. Sie sind auch Anlass, um wieder und wieder die Fakten ihres Lebens wie Puzzlestücke auf den Tisch zu legen, sie zu erzählen, sie zu überdenken und nach Strukturen und Erklärungen für das Geschehene zu suchen.

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„Winternovellen“ von Ingvild H.Rishoi

„Winternovellen“ von Ingvild H. RISHØI, Open House Verlag Leipzig, 1. Auflage 2016

Über Neujahr habe ich ein wunderbares Büchlein der Norwegerin Ingvild Rishoi gelesen- drei Novellen enthält es, alle von einem Zauber getragen, der darin gründet, dass Rishoi ihre Ich-Erzähler liebt, ihnen unter die Haut gekrochen ist, bevor sie sie erzählen lässt.

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Das Wesen einer Figur – „Sommer ohne Männer“

Gedanken zur Figur der Mia, Ich –Erzählerin in „Sommer ohne Männer“ von Siri Hustvedt (dt. Fassung 2011)

Der „Sommer ohne Männer“ findet in der überschaubaren Heimatstadt Bonden der Ich-Erzählerin Mia statt, nachdem ihr Mann Boris sich nach 30 Ehejahren eine „Pause“ mit einer jungen Wissenschaftlerin gönnt und Mia daraufhin für kurze Zeit in der Psychiatrie landet.

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Das Wesen einer Figur- „Nora Webster“

mit einer Figurenanalyse aus dem Roman „Nora Webster“ von Colm Toibin (Carl Hanser Verlag 2016)

Handlung entwickelt sich aus den Figuren, aus deren Handeln, Nicht-Handeln, Denken, Fühlen und  Sein, aus ihrer Sprache, ihrer Erziehung, Herkunft und ihren Werten. Je präziser das Wesen einer Figur herausgearbeitet ist, umso nachvollziehbarer und lebendiger sind die entstehenden Handlungsstränge, umso klarer wird die Beziehung zwischen Figur und Handlung.

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